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Ethische Werte der Vereinigung GRAAP |
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Valeurs_ethiques_all
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GRAAP
Inhaltsverzeichnis
DIE GRAAP UND DER WAHN
Jede Gesellschaft enthält einen mehr oder weniger grossen Anteil an
Konflikten und Funktionstörungen, dessen Konsequenzen sich auf die
schwächsten Mitglieder auswirken. Diese äussern sich in Armut,
Hungernot, Elend, Arbeitslosigkeit, Krieg oder Gewalt.
In einer Gesellschaft im ewigen Umbruch ist der individuelle Wahn ein
Symptom der Ungleichgewichtigkeit und warnt uns vor genau so vielen
Signale, die man sofort empfangen soll.
Der Wahn ist ein rotes Licht in unserer Gesellschaft und benötigt eine
Wartezeit, um sich zu fragen, ob unsere individuellen oder kollektiven
Werte noch aktuell sind.
Das Zuhören und das Fernhalten der Botschaften, die die Opfer der
Funktionsstörungen unseres Systems äussern, bestimmt das Überleben
einer Gemeinschaft. Da hat der Wahn für die GRAAP einen Sinn. Dieser
spielt eine grosse Rolle im Überleben einer Gesellschaft.
Um das zu berücksichtigen, will die GRAAP ihre Verantwortung übernehmen
und eine Rolle in der Entwicklung unserer Gemeinschaft spielen.
Auch wenn die GRAAP die Faktoren und die Ursachen des Wahns feststellt,
ist sie sich auch bewusst, wie sich diese auf die Personen und die
Familienmitglieder auswirken. Die GRAAP ist sich auch bewusst, dass der
psychische Patient und seine Familie nicht verantwortlich für den
Ausbruch der Krankheit ist.
Die wichtigste Rolle der Vereinigung GRAAP ist die Debatte zu fördern,
wie man am besten mit der Krankheit lebt.
DIE GRAAP UND DAS LEBEN
Der psychische Patient kann, an einem bestimmten Moment, den Sinn
am Leben verloren haben. Verzweiflung uns Delirium können ihn an dem
Rande des Todes führen. Wo sind die Grenzen des Todes, des Lebens, von
sich selbst, der anderen und der Welt?
Jenseits dieser Verwirrung glaubt die GRAAP an die Lebenskräfte aller
Menschen und sie will eine Einführung in die persönlichen Lebensziele
bringen, ebenso für die Patienten, wie für die Umgebung. Damit können
diese wieder Begeisterung und Lust am Leben finden.
Die Krankheit ist immer noch von Schande und Schuld geprägt, die nicht
stattfinden sollten. Die GRAAP schlägt vor, dieses Erlebnis in ein
Kapital eigener Erfahrungen umzuwandeln, damit man diesen Reichtum auch
ausnützen kann.
So können die psychischen Patienten eher Schauspieler ihrer Lebensziele
werden, statt nur Opfer ihrer Krankheit. Die GRAAP, die sei betreut,
gibt ihnen die notwendigen Mitteln dazu.
DIE GRAAP UND DIE GEMEINSCHAFT
Solidaritätverpflichtung
Die erste Tätigkeit der GRAAP war, sich zusammen zu setzen, um
gegen die Isolation und die negativen Vorstellungen der psychischen
Krankheit zu kämpfen.
Die Schlüssel der GRAAP, die der Gruppe geholfen haben diese
Tätigkeiten zu entwickeln, waren die kreative Kraft der Gruppe, die
Solidaritätsfreundschaften und die Tragik-Komischen Erfahrungen des
Spitals miteinander zu teilen.
Von da aus startete die tolle Lehre der Solidaritätsverpflichtung, die
gegenseitige Hilfe und das Pflichtgefühl der Verantwortungen.
So ist die GRAAP nicht nur ein Arbeitsort sondern auch ein Ort um
Freizeit, Aufnehmen, Information, Sozialbetreuung zu gestalten. Sie ist
zu einer wirklichen Gemeinschaft gekommen.
Eine Gemeinschaft, die zuerst einen warmen Kontakt an jede Person
anbietet, die unter Eisamkeit oder psychologischen Schwierigkeiten
leiden, und es ist gleichgültig, was auch immer ihre Ideen oder ihre
Überzeugungen sind.
Die GRAAP gibt sich die Mittel für alle eine Möglichkeit zu finden,
damit sich jede Person im Respekt und in der Freiheit aussprechen kann.
Die GRAAP organisiert Debatten, Zusammentreffen, in denen man lernt,
mit Grosszügigkeit zuhören.
Wie in einer Familie privilegiert die GRAAP den Aspekt der Beziehungen
und der Gefühle. Sie unterstützt die Freundschaften und das Wohlwollen
der Mitglieder untereinander.
Die GRAAP kann den psychischen Patienten, die eine Zerstückelung der
Gedanken und eine Desintegration von sich selbst erleben, ein
gemeinschaftliches Zusammensein anbieten, das reich im Austauschen von
Erlebnissen ist und ein echtes Gefühl an Angehörigkeit ermöglicht.
Für alle, die zu oft Demütigungen wegen ihrer Krankheit erlebt haben,
erlaubt das Zugehören an eine anerkannte und geachtete Gemeinschaft
wieder ein Minimum an Würde. Um so mehr, wenn diese Personen die
Mitwirkenden für den guten Ruf dieser Gemeinschaft werden.
Empfang und Lebensregeln
Die wichtigste Besorgnis der GRAAP ist die kranken Personen aufzunehmen.
Wir können alle eine liebenswerte und dankbare Person aufnehmen ohne
eine professionelle Ausbildung im Gebiet der menschlichen Beziehungen
zu brauchen. Es bringt einen sofortigen Vorteil und einen Austausch
zwischen den Personen. Man befindet sich im Bereich der positiven
Gefühle.
Eine Person, die leidet und Angstgefühle zeigt, kann uns Probleme
bringen und in uns Angst und Leiden erzeugen. Es benötigt ein
aufmerksames Zuhören, um diese Leute gut aufnehmen zu können.
Wie kann man dagegen, offen, grosszügig, empathisch bleiben mit
Personen, die nicht die selben Verhaltensregeln benützen wie wir; für
die Respekt, Wohlwollen und Höflichkeit unbekannte Verhalten bleiben?
Wie kann man diese Personen aufnehmen, die nur auf ihre tägliche
Routine ausgerichtet sind und auf die Welt und deren Bewohner nichts
empfinden?
Wie kann man diese Personen aufnehmen, wenn sie perverse Tätigkeiten
begangen haben oder wenn sie mit Gewalt auf jede Frust reagieren? Wenn
sie auf die private Umgebung störend wirken?
Eine Person ohne Grenzen aufnehmen, heisst sie mit ihren tiefsinnigsten
und zerrütetten Gedanken zu akzeptieren. Wie es Nelly Perey in ihrem
Lied singt, bleibt unsere innere Natur intakt, auch mitten im Delirium
und im Wahn. Eine Person besteht nicht nur aus ihrem Verhalten. Man
soll die Verschiedenheit einer Person betrachten, indem sie ebenso aus
Reinheit, Würde (Hoheit) und Unendlichkeit besteht. Aber auch aus
gefährlichen , verletzenden und zerstörenden Akten, die sie begehen
kann. Um dem anderen entgegen zu gehen, soll man einen wohlwollenden
Hinblick auf die Menschlichkeit werfen. So entwickelt man eine innere
Einstellung und positive Gedanken, zuerst für sich selbst, um dann ein
Grosszügigkeitskapital zu schaffen, und sich der Realität zu öffnen.
Zuletzt kann man im Rahmen dieser Begegnung die menschlichen Seiten
entdecken und aufwerten.
Auch wenn man jede Person ohne Grenzen aufnehmen kann, ist nicht jedes
Verhalten erlaubt; Gewalt, Unrespekt, Verachtung oder Intoleranz ist
nicht berechtigt. Aber wo sind da die Grenzen? Welche Kriterien
berechtigen die Zurückweisung oder das Aufnehmen?
Jede Person und jede soziale Gruppe entschlüsselt ihre Realität selbst
und betrachtet ihre eigenen Werte. Sie entscheidet auch welche, Akten
und welches Verhalten toleriert oder unakzeptabel ist. Daraus
ergeben sich Lebensregeln, Grenzen und Anforderungen. Das folgen dieser
Anweisungen wird ein Faktor der Integration sein. Es geht darum, diese
Regel zu respektieren, so wie auch sich selbst Respekt zu verschaffen.
Es geht um das Überleben der betroffenen Personen und der Sozialgruppe.
Betreffend der Integration des Einzelnen in eine Gruppe kommt es darauf
an, welche Kapazität und welchen Wille dieser hat, um diese Regeln zu
anerkennen.
DIE HANDLUNGEN DER GRAAP
Warum
und wie kann man handeln?
Darf man in die Zukunft träumen und darf man seine Träume selbst
realisieren?
Die Taten der GRAAP sind die folgenden: Die Wünsche in Taten umwandeln
und die Aktionen ins Mögliche zu bringen. Dies sind die wichtigsten
Ziele der GRAAP.
Diese Taten werden in die lebenden Kräfte, wie auch in die der
Schwächsten umgesetzt.
Die GRAAP will ihre Projekte mit den Hilflosen aufbauen, damit sich
niemand ausgeschlossen fühlt.
Diese Tätigkeiten der GRAAP haben als Ziel eine gerechtere Welt und
eine menschlichere Psychiatrie aufzubauen. Jedes Mitglied arbeitet
daran, seine tiefsten Werte zu finden.
Diese vielfältigen Tätigkeiten kann man in fünf Bereiche
zusammenfassen:
1. Geschäftsführung (Verwaltung)
-Jeder Person erlauben, die Führung eines Projektes, von einer Idee bis
zu der Finanzierung, zu planen.
-Eine transparente und zugängliche administrative und finanzielle
Organisation aufstellen, im Sinn einer Geschäftsführung zwischen den
Professionellen und den Mitgliedern.
-Während der jährlichen Versammlung, die Stellungen der Gemeinschaft zu
definieren.
-Das Komitee der Gemeinschaft während der Generalversammlung
wählen ; dieses Komitee besteht nur aus Personen, die von der
psychischen Krankheit betroffen sind.
-Ein Team von Beruflichen bestimmen, das empfänglich für die psychische
Empfindlichkeit ist; das auch fest entschlossen ist, sich auf
persöhnlicher und bekannschaftlicher Ebene ausbilden zu lassen. Diese
Leute sollten an den Grundwerten der GRAAP anhängen.
-Die Administration und seine Organisation in der Geschäftsführung
haben nur einen Sinn, wenn diese für die Ziele der Assoziation spielen.
Die Administration und die Geschäftsführung haben keinen eigenen Zweck.
2. Hilfsgruppen, Begegnungs-und Sozialhilfs-Gruppen
-Das Erlebnis jeder Person aufwerten.
-Zuhören, aber nie verurteilen.
-Die gegenseitige Hilfe unterstützen.
-Über seine Erlebnisse erzählen.
-Persöhnliche Projekte zur Realisation bringen und auch fördern.
3. Information und Ausbildung
-Publikationen herausgeben, die über eine Information, eine
Verbindung berichten; auch gegen das Stigmatisieren der
Psychiatrie kämpfen; sich selbst zur Welt öffnen und sich
öffentlich ausdrücken.
-Kongresse, Seminare für die Selbstentwicklung, sowie eine Ausbildung
im Bereich der menschlichen Beziehungen organisieren.
4. Workshops (Arbeitsgruppen)
-Sich im Alltäglichen befestigen und den Tag, durch verschiedene
Aktivitäten markieren.
-Zu einem Team gehören.
-Seine Kompetenzen realisieren und sie einsetzen.
-Gegen die Inaktivität kämpfen.
-Eine soziale Rolle spielen.
-Verantwortungen übernehmen.
-Im Hinblick auf die anderen existieren.
-Für sich handeln und für die anderen nützlich sein.
5. Animationen (Freizeitgestalltung)
-Gemeinsames Interesse in einer Gruppe entwickeln und teilen.
-Sich für die Kultur, die Kunst und die Politik interessieren.
-Sich mit verschiedene Mittel ausdrücken wie : Gesang, Musik, Theater,
Mahlen, Schreiben, usw.
-Ein Gefühl der Zugehörigkeit schaffen: Gemeinsame Essen, Feste,
Ferienlager, sportliche Aktivitäten, verschiedene Ausgänge und Reisen.
-Ein soziales Leben entwickeln
La Fouly, August 2003
Dominique Scheder,
Nelly Perey,
Madeleine
Pont
Vom Komitee während der Sitzung des 20. Juli 2005 angenommen
Traduction
: Jacqueline Vorburger
rj / 22 juillet 2011
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